Lionore Regnier–Perin

Geburtsname: Perin
weitere Namen: Hermine
geboren: 27.02.1912 Wien, Österreich-Ungarn
gestorben: 19.10.1970, Wien, Österreich
Religionsbekenntnis: röm. katholisch

Ausbildung

1930-1934 Technischen Hochschule Wien, Architektur
1935-1936 Meisterschule bei Hofrat Prof. Dr. Karl Holey
Lionore Regnier-Perin
Lionore Regnier–Perin
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Lionore Regnier-Perin
rechts Lionore Regnier-Perin, am Bauhof der Technischen Hochschule Wien

Biografie

Lionore Hermine Perin, wurde als Tochter des Juristen René Perin am 27. Februar 1912 in Wien geboren. Ihre Schwester Theodora kam zwei Jahre später zu Welt. Lionore besuchte nach der Volksschule der Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien 1., Hegelgasse, die humanistische Abteilung des Mädchengymnasiums in Wien 6., Rahlgasse 4, wo sie am 23. Juni 1930 maturierte. 

Im Oktober 1930 inskribierte sie als Hörerin an der Technischen Hochschule in Wien für Architektur und legte am 27. Oktober 1932 die I. Staatsprüfung und am 12. Juli 1934 die II. Staatsprüfung ab. 

Nach ihrem Studium ging Lionore Perin zunächst ins Ausland, um Berufserfahrung zu sammeln. Von 1934-1935 war sie im Atelier des Architekten Arnold Itten in Thun, Schweiz als Architekturassistentin angestellt und besuchte in dieser Zeit volkswirtschaftliche Vorträge an der Juridischen Fakultät der Universität in Bern. 

Nach einem Jahr im Ausland kehrte sie nach Wien zurück und inskribierte nochmals an der Technischen Hochschule Wien – diesmal aber für die Meisterschule der Architekturfakultät bei Prof. Karl Holey. 

In die Meisterschule von Karl Holey wurde im Studienjahr 1935/36 neben Lionore Perin nur noch eine weitere Frau aufgenommen, Erna Kapinus, die jedoch nach kurzer Zeit ausschied. In ihrer Meisterschularbeit „Umgestaltung der Umgebung der Kirche Maria am Gestade“ befasste sich Lionore mit dem, in der Mitte der 30er Jahre aktuellen Problem des Assanierungsbaus, im Bereich der Wiener Innenstadt. Beim Assanierungsbau handelte es sich um die umfassende Verbesserung von Bebauungen aus hygienischen, sozialen, technischen oder verkehrsbedingten Gründen. 

Nach nur zwei Semestern schloss sie diese ab. Ihr darin ausgearbeiteter Entwurf war die Grundlage für ihre wenig später vorgelegte Dissertation mit dem Titel: „Untersuchungen über städtebauliche Probleme insonderheit der Assanierungen“. Im Rahmen ihrer Dissertation fertigte sie 87 Handskizzen an, wobei das Kernstück ihrer Arbeit Sanierungspläne einzelner Stadtteile waren. Auch Londoner Elendsviertel wurden in ihrer Dissertation behandelt, denn im Sommer 1936 reiste sie nach England und arbeitete bei dem damals in London ansässigen Wiener Architekten Michael Rosenauer. Während dieser Zeit nutzte sie die Chance, um an der „Architectural Assosiation, School of Planing and Research for National Development“ in London Lehrvorträge und Übungen zu besuchen. Sie interessierte sich für Vorlesungen zu Planungsökonomie, Baugesetzte, Stadtvermessung, Planungsstatistik und Stadtplanung. Lionore Perin promovierte am 16. Dezember 1936 und war die dritte Frau, die an der Technischen Hochschule den Doktor der technischen Wissenschaften erlangte.

Insgesamt arbeitete sie ein Jahr lang für Michael Rosenauer in London, bevor sie im Sommer 1937 endgültig nach Wien heimkehrte. 

Wieder in Wien beheimatet, nahm sie an einem Wettbewerben für ein Waisenhaus in Athen und an einem Wettbewerb für die Grinzinger Straße teil, die allerdings keine äußeren Erfolge erzielten. Anfang November 1937 fand sie eine Anstellung in der Baufirma Hofman & Maculan, wo sie bis Ende März 1946 als Bauleiterin tätig war.

Am 26. Juli 1946 erlang sie die Befugnis einer Architektin, die sie noch im selben Jahr in eine für Hochbau umändern ließ. Bei einem gemeinsamen Projekt in Niederösterreich lernte sie den Bauingenieur Friedrich Regnier kennen, der damals für die Verbundgesellschaft tätig war. Sie heirateten im Juni 1951 und bekamen ein Jahr später einen Sohn, Thomas.

Als selbstständige Architektin war Lionore Regnier, wie sie sich nach ihrer Heirat an nannte, maßgeblich am Wiederaufbau Wiens beteiligt und plante mehrere Wohnhausanlagen der Nachkriegszeit. Eine Reihe von Bauvorhaben führte sie gemeinsam mit ihrem Mann durch und nahm an mehreren Wettbewerben teil. Sie verstarb nach schwerer Krankheit am 19. Oktober 1970 im Alter von nur 58 Jahren.

 


  1. Zu Rudolf Maculan liegt ein Untersuchungsbericht einer Forschungsgruppe vor, die von 2011 bis 2013, im Auftrag der Stadt Wien, historische Bedeutung jener Persönlichkeiten, nach denen Wiener Straßen benannt wurden untersuchte.

Werke (Auswahl)

1937             Wettbewerb für ein Mädchen-Waisenhaus in Athen 

1937             Wettbewerb für Grinzing 

1952-1953 Wohnhausanlage der Stadt Wien, Badgasse 10, 1090 Wien 

1955-1957 Wohnhausanlage der Stadt Wien, Gschwandnergasse 53-57,1170 Wien (mit Friedrich Hintermayr)

1963-1965 Wohnhausanlage der Stadt Wien, Marktgasse 19, 1090 Wien

1969-1970 Wohnhausanlage der Stadt Wien, Margaretenstraße 40, 1050 Wien

1969-1971 Wohnhausanlage der Stadt Wien, Schönbrunner Straße 181-183, 1120 

Wien

o.J Wettbewerb für Bundsrealgymnasium in Eisenstadt 

o.J Wettbewerb für das Amtsgebäude in der Lerchenfelderstraße

Quellen:  

Juliane Mikoletzky, Ute Georgeacopol-Winischhofer, Margit Pohl: „Dem Zuge der Zeit entsprechend …“ Zur Geschichte des Frauenstudiums in Österreich am Beispiel der Technischen Universität Wien, WUV-Universitätsverlag Wien, 1997.

Kammer der ZiviltechnikerInnen | ArchitektInnen und IngenieurInnen Wien. Niederösterreich. Burgenland., Sammelakt Lionore Regnier

Sabine Plakolm-Forsthuber: „ZV-Frauen bauen mit!“ Wege und Irrwege der ersten Architektinnen in der ZV (1925-1959), in: Ingrid Holzschuh (Hg.): Baukultur in Wien 1938-1959. Das Archiv der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs (ZV), Basel 2019, S.51

Foto: Lionore Perin am Bauhof der Technischen Hochschule Wien , Archiv der TU Wien

Text: Carmen Trifina
Februar 2022